Wider der Resignation: Hoffnung im Hitzesommer 2026
Eröffnungsrede der Mitgliederversammlung der GRÜNEN Zürich vom 25. September 2025
Wir blicken zurück auf einen aussergewöhnlichen Sommer. 41 Hitzetage wurden alleine in Zürich gezählt. Die Bäume verdorrten vor unseren Augen, Bäche und Flüsse trockneten aus.
Der Sommer 2026 hat uns viel abverlangt. Zum ersten Mal haben wir alle erlebt wie dauerhafte Hitze uns psychisch und physisch belasten kann.
Ich kann mich gut an einen Moment erinnern, als mein Aussenthermometer 40 Grad anzeigte und die Luft in meiner Wohnung heiss und stickig wurde. Und doch konnte ich das Fenster nicht öffnen, weil es draussen noch heisser war. Neben der körperlichen Anstrengung kam die psychische Belastung.
Ich war wütend. Wütend, dass das jetzt unsere Realität ist. Wütend, dass ich mich um meine nächsten Angehörige sorgen musste, die derzeit in einer vulnerablen Situation sind. Wütend darüber, dass in Frankreich die Wälder brennen und die meisten Mitmenschen immer noch konsumieren, als gäbe es kein Morgen.
Wütend auf die bürgerliche Mehrheit in diesem Land, die sich konstant weigert, die Klimakrise zu bekämpfen und von „Hysterie“ redet, obwohl gar niemand hysterisch ist, sondern nur pragmatisch die Realität anerkennt.
Der Sommer 2026 ist gemäss den Modellen von MeteoSchweiz ein Durchschnittssommer im Jahr 2050, bei einer globalen Erwärmung von 3°C. Der Sommer 2026 war auch aus persönlichen Gründen aussergewöhnlich: Ich durfte auch zum ersten Mal das Kind einer ganz engen Freundin in den Armen halten. Und als ich dieses kleine 6-Wochen-junge Wunder hielt, so brach mir fast das Herz. 2050, da wird es ein junger Mensch sein, hoffentlich mit all den Träumen und Hoffnungen und dem Gefühl, dass die Welt voller Möglichkeiten ist. Es wird sich nicht mehr daran erinnern, wie die Sommer früher war. Für ein Kind, das heute geboren wird ist das was wir heute erleben völlig normal.
Es ist nicht schwer, angesichts dieser Zukunft den Mut und die Hoffnung zu verlieren. In Deutschland gibt es derzeit schon eine recht aktive Gruppierung, die sich auf den sogenannten Klimakollaps vorbereitet.
Ich finde: Resignation ist der schlechteste Weg. Zwar hat dieser Sommer uns alle an die Grenzen des Belastbaren gebracht.
Und doch sitzen wir alle heute hier weil wir an eine gute Zukunft glauben. Wenn ich sehe, wie viele Menschen sich in unserer Partei auf allen Ebenen und auf so viele verschiedene Wege für eine lebenswerte, fossilfreie Zukunft einsetzen, dann schöpfe ich Hoffnung und Energie.
Ich gehe jeden Mittwoch in die Gemeinderatsfraktion und fühle mich so wahnsinnig privilegiert, mit so tollen und engagieren Menschen eine Politik für Morgen zu machen. Ohne zu zögern haben wir in einem gewaltigen Teameffort ein ganzes Paket von Vorstössen eingereicht, dass die Bevölkerung vor der Hitze besser schützen soll.
Wir nutzen jede einzelne Stellschraube die wir haben, um uns für eine klimagerechte Stadt einzusetzen.
Ich gehe in meine Kreispartei und begegne so vielen engagierten Menschen, die sehr viel Kraft und Herzblut in eine klimagerechte Welt stecken.
Und ich begegne so vielen Parteimitgliedern auf dem Land, die sich unermüdlich für eine grüne Zukunft einsetzen, obwohl sie in der krassen Minderheit sind.
Nein, Resignation ist nicht der richtige Weg. Wir dürfen nicht aufgeben.
Wir haben die Lösungen, wir wissen was zu tun ist: ein konsequenter Ausstieg aus klimaschädlichen Fossilen, weniger Konsum, pflanzliche Ernährung, mehr Miteinander. Damit können wir die Klimakrise effektiv bekämpfen, das ist unser Weg aus der Resignation.
Lasst uns diese Botschaften nach aussen tragen!
Lasst uns Kraft und Energie daraus schöpfen, dass wir hier zusammen sind und wir uns alle eine klimagerechte Zukunft wünschen.
Und lasst uns nie die Hoffnung aufgeben, auch wenn es noch so heiss ist.